Fachinformationen für Ärzte und Therapeuten

Wirkung tiergestützter Interventionen

Es gibt in der TGI immer mehrere Wirkungsebenen:

• die physisch und physiologische Wirkungsebene
• die psychische Wirkungsebene
• die soziale Wirkungsebene
• die emotionale Wirkungsebene

In der Interaktion zwischen Mensch und Tier wird der Beziehungs­ebene und der analogen Kommunikation laut Watzlawick, Beavin und Jacksen eine entscheidende Bedeutung zuteil. Die Kommunikation findet hier über Intonation, Modulation und Sprachrhythmus, Gesten, Blicke, Berührungen und Bewegungen statt.

Indikationen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren (in Anlehnung an ICD-10)

Indikation für tiergestützte Therapie und förderbegleitende Maßnahmen:

• bei Entwicklungsverzögerungen (z.B. der Sprache) oder tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (z.B. Autismus)
• bei Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (z.B. HKS) oder Unsicherheiten und Ängsten
• bei Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (z.B. Essstörungen)
• bei Depressionen
• bei traumatisierten Menschen (auch PTBS)
• bei Menschen mit körperlicher Behinderung
• bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen (z.B. Schlaganfallpatienten)
• als rehabilitative Maßnahmen nach Unfällen
• bei Menschen mit Intelligenzminderung
• bei an Demenz erkrankten Menschen

Indikation für tiergestützte Pädagogik, Förderung und Verhaltensschulung:

• bei Entwicklungsverzögerungen
• bei besonders kontaktscheuen und schüchternen Kindern und Jugendlichen oder sehr aktiven und unruhigen
• bei Erwachsenen, die sehr zurückgezogen sind und schwer in Kontakt kommen
• als Präventivmaßnahme

Themen wie Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein, Autonomie, Grenzsetzung und Klarheit können aufgegriffen und bearbeitet werden.

Tiergestützte motivationale Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren:

• für Menschen, die schon sehr viele Therapieangebote hatten und „therapiemüde“ sind oder als Präventivmaßnahmen
• soziointegrative Angebote, z.B. Besuche mit den Tieren in Kinderhospizen, Hospizen oder Einrichtungen für schwerst­behinderte Menschen

Leistungsspektrum

TGI kann im mobilen, ambulanten, stationären sowie klinischen Bereich angewendet werden und richtet sich im Leistungsspektrum nach den jeweiligen Rahmenbedingungen. Wir arbeiten bei M.U.T.I.G. mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren und stellen deren jeweils aktuell anstehende Entwicklungsaufgaben in den Vordergrund. Nah- und Fernziele werden gemeinsam erarbeitet und festgelegt.

Verschiedene Entwicklungsbereiche können dabei durch TGI gefördert werden:

• der körperlich-motorische Bereich
• der emotionale Bereich
• der soziale Bereich
• der kognitive Bereich im Sinne von Lernen

als bereichsübergreifend kommen hinzu:

die Sprache
• die sinnliche und soziale Wahrnehmung

Dem therapeutischen Dreieck, das durch das Tier als nonverbalen Kommunikationspartner und Mittler entsteht, kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Ihm können dabei laut Vernooij/Schneider unterschiedliche Funktionen zukommen:

• Übergangs-/Brückenfunktion
• Motivationsfunktion
• Identifikationsfunktion
• Projektionsfunktion
• Situationskatalysator
• Sozialkatalysator

Angebote

Methodik und professionelle Haltung

Wir sehen unsere Aufgabe darin, Menschen in ihren Kompetenzen zu stärken und Sie darin zu unterstützen, ihr eigenes Potential auszuschöpfen. Die vielfältigen Formen der Begegnung mit Tieren in freien, gelenkten und ritualisierten Interaktionen ermöglichen Kontakt und Resonanz.

Das Angebot von M.U.T.I.G. beinhaltet unterschiedliche Settings:

• freie Mensch-Tier-Interaktion
• angeleiteten bzw. unterstützten Kontakt
• Aktivangebote
• zielorientierte Settinggestaltung duch variable Methodik/Möglichkeiten
• Hilfestellungsangebote
• verschiedene Präsentationsoptionen für Beobachtung
• taktiler Kontakt
• Rollstuhl- und Handicap-angepasste Mensch-Tier-Begegnungsbereiche
• Witterungsunabhängigkeit durch In- und Outdoor-Bereiche
• Einzeltierkontakt bis hin zum Herdenerlebnis, individuell auf den Klienten abstimmbar
• Aufstiegshilfen
• Lagerungsebenen

Zielfindung und Ablauf der TGI

1. Erstgespräch

Es findet ein Erstgespräch nach vorheriger Terminabsprache mit TGI-Fachkraft und therapeutischer Leitung statt. Dies dient der allgemeinen Information und Bedarfsabklärung und ist für ein wirkungsvolles Planen und Arbeiten notwendig. Dauer ca. 25 min.

2. Schnupperstunde

Bei der Schnupperstunde findet eine Einführung in die verschiedenen Tierarten und ein Erstkontakt statt. Dauer ca. 50 min, die Schnupperstunden finden jeweils an festgelegten Tagen (auch Samstags möglich) ca. alle 2 Wochen statt.

3. 6 Einheiten

Block von 6 Einheiten als „Einstieg“ mit Blick auf das Temperament, die Stärken, die Möglichkeiten, die individuellen Herausforderungen und den besonderen Förderbedarf. Danach findet ein Perspektivengespräch gemeinsam mit Kind und Erziehungsberechtigten bzw. dem Klienten statt, um das weitere Vorgehen sowie weitere Nah- und Fernziele gemeinsam zu erarbeiten. Auch der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Behandelnden kann hier thematisiert werden.

Kooperation

Die Kooperation mit dem bereits vorhandenen sozialen Netz und den Institutionen vor Ort ist uns ein vorrangiges Anliegen. Deshalb bieten wir u. a. externen Therapeuten mit ihren Klienten die Möglichkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit auf Gut Eschenlohmühle. Die Nutzung unserer Tiere und Infrastruktur findet gemeinsam mit einer unserer in TGI ausgebildeten Fachkraft in einem „unterstützenden Setting“ statt und kann individuell gestaltet werden.

Hier können Sie alle Informationen auch als pdf herunterladen: Flyer Fachinformation

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